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Ausführungsfehler und Schadensfälle

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Der Architekt hatte eine schöne dreieckförmig auskragende Balkonplatte geplant. Der Statiker hatte richtig gerechnet und die erforderliche Bewehrung der Stahlbetonplatte in der Zeichnung ordnungsgemäß ausgewiesen. Der Polier auf der Baustelle allerdings hatte schon mal etwas von Wärmebrücken gehört, und daß der Stahl ein guter Wärmeleiter ist. Kurzerhand hat er sich dazu entschlossen, die Bewehrung, bis auf je zwei Stäbe ganz am Rand, einfach wegzulassen.

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Das Ergebnis ist sichtbar. Nach dem Ausschalen folgte die Platte der Schwerkraft. Die vorhandenen Randstäbe hatten wenigstens dazu geführt, daß sie nicht insgesamt herunterfiel, sondern nur abklappte. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt. Aber es hätte auch anders kommen können.

Die derzeit gültige Landesbauordnung von Baden-Württemberg gestattet für einen großen Teil der Bauvorhaben den Wegfall der bautechnischen Prüfung und Überwachung. Der Bauherr hat sich natürlich gefreut, daß er die Kosten einsparen kann. Eine ordnungsgemäße Bauleitung findet auf solchen Baustellen erfahrungsgemäß ebenfalls nicht statt.
So nimmt das Verhängnis dann seinen Lauf.
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Die Dachkonstruktion in dem oben dargestellten Dachgeschoß war ohne Firstpfette und Pfosten als Kehlbalkendach ausgeführt worden. An die Aufnahme und Weiterleitung des entstehenden Horizontalschubes in Traufhöhe hatten Ausführende, Bauleiter und Statiker ebenso wenig gedacht, wie an die erforderliche Querstabilisierung für die Dachgeschoßkonstruktion. Infolgedessen stellten sich die Außenwände schief und verschoben sich in Traufhöhe bedenklich nach außen, so daß die beiden Außenwände behelfsmäßig mit Flaschenzügen zusammengehalten werden mußten, um einen Einsturz zu verhindern.
Das Bauvorhaben war gemäß gültiger LBO zur Freude des Bauherrn bzw. des Bauträgers von der bautechnischen Prüfung befreit. Es waren nacheinander mehrere Statiker mit der Dachkonstruktion befasst, die auch jeweils andere, mehr oder weniger schlüssige Konstruktionsideen verfolgten. Bei der Ausführung wurde dann zusätzlich improvisiert, so daß schließlich wegen mangelnder Koordination und Sachkompetenz, sowie der nicht ausreichenden Bauüberwachung der Schaden eintrat.
Daß keine Personen zu Schaden kamen, war reine Glücksache.
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Ein Schwertransporter war von der Autobahnpolizei zu einem Wiegebetrieb gebracht worden, um dort das tatsächliche Gewicht festzustellen zu können, nachdem Übergewicht vermutet worden war. Als der Transporter über die Waage gefahren war, hatte diese mit lautem Getöse nachgegeben und der Transporter ist ca. 12cm eingesunken. Die Waage war für ein Gewicht von 50to ausgelegt. Wie sich später herausstellte, wog der Transporter aber 119to! So ist es nicht verwunderlich, daß es zu örtlichen Überlastungen der tragenden Teile der Waage kam, verbunden mit beträchtlichen plastischen Verformungen.

Die Schäden sind natürlich primär der nicht vorhersehbaren Überlastung zuzuordnen.
Die Konstruktion hätte sich jedoch insgesamt robuster verhalten, wenn an den Lastüberleitungsstellen von einem in den anderen Träger Aussteifungsrippen angeordnet worden wären. Die Schadenshöhe belief sich auf ca. 50.000,- Euro
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